Zu Besuch bei Graf Dracula in Siebenbürgen

Brüder-Grimm-Schule startet Schüleraustausch mit Rumänien

Rumänen
Rumänische Volkstanzgruppe auf dem Marktplatz in Eschwege

 

Sie waren im Schloss des Grafen Dracula und haben mutig den Gang über die Lügenbrücke in Sibiu gewagt, sie sind fasziniert von der Herzlichkeit, Gastfreundlichkeit und Großzügigkeit ihrer Gasteltern und haben mit Staunen die Verbindung von Tradition und Moderne erlebt.

Zehn Tage waren 22 Schüler der Brüder-Grimm-Schule jetzt zu Besuch im rumänischen Sibiu, dem früheren Hermannstadt, das noch aus allen Poren deutsche Geschichte, Sprache und Kultur atmet und sich zugleich in einem ungebremsten wirtschaftlichen Aufschwung befindet.

 

„Die Brüder-Grimm-Schule ist die erste Schule im Werra-Meißner-Kreis, die einen Austausch mit einer rumänischen Schule aufnimmt“, erklärt die Initiatorin und Organisatorin der Reise, Dr. Gabriela Ander. Sie freut sich schon auf den Gegenbesuch zum Johannisfest, bei dem die rumänischen Schüler auch im Festzug mitlaufen werden. Die jungen Deutschen und Rumänien waren einander nicht fremd. Verständigt haben sie sich in deutscher oder englischer Sprache, auch mit Händen und Füßen. „Die Rumänen haben viel gelacht und viel gesungen. Sie gehen gerne in die Disco“, erzählt Rahel Thiele. Und: „Es gibt immer sehr viel zu essen.“

 

Aufgefallen ist ihr vor allem, dass im Stadtbild von Sibiu viel mehr Kinder zu sehen sind als hier in Deutschland. So makellos sich die wunderbar sanierte Altstadt mit ihrem „Großer Ring“ genannten zentralen Platz präsentiert und so dynamisch sich die Wirtschaft der von deutschen Siedlern im 12. Jahrhundert gegründeten Stadt zeigt, so haben die Schüler auf ihren Überlandfahrten auch das andere Siebenbürgen erlebt: Pferdefuhrwerke und Pferdepflug sind in den Dörfern und auf den Äckern Siebenbürgens auch heute nicht ungewöhnlich. Bei ihrem Besuch im Schloss Bran, das seine touristische Attraktion herleitet aus der Beschreibung der Dracula-Burg im gleichnamigen Roman, erfuhren die Schüler, dass ein Burgherr im 15.Jh. den Namen „dracul“, deutsch „Teufel“, erhielt, weil er mit einer unvergleichlichen Strenge und Grausamkeit gegen Regelverstöße seiner Untertanen vorging. „Wer zum Beispiel unpünktlich war, wurde auf einem Pfahl aufgespießt und so mit dem Tode bestraft“, erzählt Lukas Buhlmann.

 

Von Hermannstadt aus, das die Schüler nach 90minütigem Flug und fünfstündiger Busfahrt erreichten, unternahmen sie auch Fahrten nach Kronstadt, dem heutigen Brasov, und in die mittelalterliche Stadt Schäßburg, heute Sighisoara. Natürlich wurden sie von Vertretern der Stadt empfangen und haben auch am Unterricht der Partnerschule teilgenommen, der je nach Schulzweig zum Teil in deutscher Sprache erteilt wird. Ihre Gastgeber erzählten ihnen beim Rundgang durch Sibiu auch die Geschichte der gusseisernen Brücke: Sie soll einstürzen, sobald ein Lügner sie betritt, und wird deshalb auch die Lügenbrücke genannt.