Artikel in der Welt am Sonntag

BGS setzt weiterhin auf G9

Schüler auf dem Schulhof

 

Auszug aus dem Text der "Welt am Sonntag"


 

Leon besucht kein Gymnasium, sondern die Brüder-Grimm-Gesamtschule im Ort. Nur den Gesamtschulen gestattete es das hessische Kultusministerium bisher, das G9 einzuführen. Von 134 taten
dies rund 40. Wenn sie das Abitur anbieten, sollen es die relativ jungen Schulformen Gesamt-, Gemeinschafts- oder Sekundarschule fast überall in Deutschland nach neun Jahren tun. Was wie ein Nachteil daherkommt, entpuppt sich als Wettbewerbsvorteil gegenüber den Gymnasien, die bei acht bleiben.

Margret Schulz-Bödicker erinnert sich gut an den Moment nach dem Umstellungsbeschluss 2008, an dem die Anmeldungen für die Brüder-Grimm-Gesamtschule eintrafen. 50 neue Schüler mussten es sein, um zwei neue Klassen bilden zu können. Schulz-Bödicker zählte 78 – fast 30 Anmeldungen mehr als in den vergangenen Jahren. „Gott sei Dank, wir haben uns richtig entschieden“, war  der erste Gedanke der stellvertretenden Schulleiterin.

 

Die Anmeldezahlen aus Schleswig-Holstein und Nordrhein- Westfalen zeigen ebenfalls deutlich, dass keine der Schulen, die sich für G9 entschieden hat, um Schüler bangen muss. Auch Befürchtungen, dass vor allem schwache Schüler kommen, zerstreuen sich: „Viele Eltern erzählen mir, dass sie auch ihre leistungsstarken Kinder bewusst zu uns schicken, damit diese mehr Zeit haben, sich in Ruhe zu entwickeln“, sagt Schulz-Bödicker.


Das Nachsehen hat jetzt das örtliche Gymnasium, das verpflichtet ist, das achtjährige Abitur anzubieten. Die Abstimmung zwischen G8 und G9 ist eine mit den Füßen. Von seinen Füßen hat Leon jetzt wieder mehr. Weil er nachmittags nicht mehr so viel Latein pauken müsse, könne er zweimal die Woche zum Fußball gehen. „Dafür“, sagt er, „lohnt es sich, ein Jahr länger in der Schule zu sitzen.“

 

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