Schule trifft Arbeitswelt
Aufbruchssignal und Brücke zwischen Klassenzimmer und Arbeitswelt

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Mit ruhiger Hand und viel Konzentration zieht Achtklässlerin Mira Kellner den Speis mit dem Zahnspachtel auf ein vorbereitetes Bett. Neben ihr schneiden Mitschülerinnen unter Anleitung von Fliesenlegermeister Lukas Körber präzise Fliesen für einen Fliesenspiegel zu. Nur wenige Meter entfernt formt ein Schüler aus einer Holzschindel ein Herz – ganz so, wie es ihm Dachdeckermeister Carsten Schiedrum gezeigt hat. Szenen wie diese prägten die erste Berufsmesse an der Brüder-Grimm-Schule und machten deutlich: Hier wurde nicht nur geredet, sondern vor allem ausprobiert.

Bereits am frühen Morgen begann der Tag für etwa 20 Jugendliche mit einem sogenannten Azubi-Frühstück. In kurzen Gesprächsrunden konnten sie sich direkt mit Auszubildenden austauschen und aus erster Hand von deren Erfahrungen profitieren. Daran schloss sich die Mitmach-Messe an.

Rund 360 Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge acht bis zehn nutzten die Gelegenheit, an etwa 30 Stationen selbst aktiv zu werden und mit Betrieben aus der Region ins Gespräch zu kommen. Vertreten waren zahlreiche Handwerksbetriebe, Unternehmen aus der Metall- und Holzverarbeitung sowie Betriebe des produzierenden Gewerbes. Auch soziale und kaufmännische Berufe wurden anschaulich präsentiert.

So demonstrierte der DRK-Rettungsdienst im Raum des Schulsanitätsdienstes lebensrettende Sofortmaßnahmen wie die Herzdruckmassage. Mitarbeiterinnen eines Altenpflegeheims veranschaulichten mit speziellen Manschetten eindrucksvoll, wie stark Bewegungen im Alter eingeschränkt sein können. Ergänzend informierten Vertreter der Blindow Schulen aus Bad Sooden-Allendorf über Ausbildungswege in Pflegeberufen.

Wer sich eher für Tätigkeiten im Büro interessierte, konnte sich über Berufe wie Bankkauffrau oder Verwaltungsfachangestellte bei Stadt und Kreis informieren. Für besonderes Interesse sorgte ein Reisebus auf dem Schulhof, der Einblicke in den Beruf der Berufskraftfahrerin beziehungsweise des Berufskraftfahrers bot.

Ausgestattet mit Beobachtungsbögen erkundeten die Jugendlichen die verschiedenen Stationen, stellten Fragen zu Ausbildungsinhalten, Tätigkeiten und Verdienstmöglichkeiten. „Wir haben Fähigkeiten an uns entdeckt, die kannten wir gar nicht“, berichtete eine Schülerin begeistert.

Auch aus Sicht der Verantwortlichen ist die Messe ein wichtiger Baustein der Berufsorientierung. Friedel Lenze, 1. Kreisbeigeordneter, betonte: „Zu meiner eigenen Schulzeit gab es kaum Angebote dieser Art. Heute haben Jugendliche dank engagierter Betriebe aus dem Werra-Meißner-Kreis deutlich bessere Chancen, eine passende Entscheidung für ihre berufliche Zukunft zu treffen.“

Hagen Riedemann, Schulaufsichtsbeamter beim Staatlichen Schulamt in Bebra und dort zuständig für Berufsorientierung, hob die Bedeutung solcher Formate hervor: „Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Umso wichtiger ist es, dass Schülerinnen und Schüler früh praktische Einblicke erhalten und ihre Interessen entdecken können. Die Messe stellt eine neue Art der Berufsorientierung an der Brüder-Grimm-Schule dar: eine Brücke zwischen Klassenzimmer und Arbeitswelt.“ Er ermutigte die Jugendlichen, offen für neue Wege zu sein und die Messe als Ausgangspunkt ihrer beruflichen Orientierung zu begreifen.

„Diese erste Berufsmesse an der BGS zeigt eindrucksvoll,“ fasst Schulleiter Heiko Striening zusammen, „wie wertvoll praxisnahe Einblicke für unsere Schülerinnen und Schüler sind. Unser Ziel ist es, Orientierung zu geben, Talente zu entdecken und Perspektiven für alle Bildungsgänge zu eröffnen. Mein besonderer Dank gilt den Betrieben und Institutionen, die diesen Tag mit großem Engagement ermöglicht haben.“ „Gerade in der Berufsorientierung ist es wichtig,“ ergänzt Gymnasialzweigleiterin Lisa Kapinus, die die Messe organisierte, „neue Formate zu erproben, die Schule und Betriebe noch enger zusammenbringen. Die Entscheidung, wie es nach der Schulzeit weitergeht, sollte bewusst getroffen werden – und sich nach den individuellen Stärken der Schülerinnen und Schüler richten. Umso mehr freue ich mich, dass unsere erste Messe so positiv aufgenommen wurde.“

Für einige Teilnehmer hat die Messe bereits konkrete Auswirkungen: Neuntklässler Konrad Bausch weiß nun, dass er eine Ausbildung zum Maurer oder Fliesenleger anstrebt. Besonders beeindruckt zeigte er sich von den praktischen Arbeiten im Werkraum und den Verdienstmöglichkeiten im Handwerk. Seine Mitschüler Joscha Stieff und Anton Bausch waren vor allem von der Präsentation der Bundespolizei begeistert, bei der sie Ausrüstung begutachten und sogar eine schusssichere Weste anprobieren konnten. Ein positives Fazit zieht auch Neuntklässler Till Kölsch: „Die Berufsmesse ist ein sehr gutes Angebot, das regelmäßig stattfinden sollte, damit wir wissen, was wir später machen können.“

Dr. Claudia Nitschke

Hier geht’s zu mehr Bildern von der Berufsmesse 2025.

Bericht in der Werra Rundschau vom 25. März 2026.



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