Praxistage an den Beruflichen Schulen
Brüder-Grimm-Schüler lernen die Berufswelt kennen

Praxistage H8 MIN.jpg

Konzentriert schaut Thierry in seinen Monitor und rückt mit dem Curser den Winkel für sein Werkstück in die richtige Position. Der Achtklässler von der Brüder-Grimm-Schule nimmt in den Beruflichen Schulen an den Praxistagen teil, um in verschiedene Berufsfelder hineinzuschnuppern.

„Uns liegt sehr viel daran, unseren Schülerinnen und Schülern eine gute Orientierung in der Berufswelt zu ermöglichen“, erläutert Sven Zuber, der den Hauptschulzweig an der Brüder-Grimm-Schule leitet. „Zunächst durchlaufen die Jugendlichen eine Kompetenzfeststellung, um ihre Neigungen und Interessen, aber auch soft skills wie Teamfähigkeit festzustellen. Dann lernen sie unterschiedliche Gewerke im Rahmen des Berufsorientierungsprogramm BOP kennen, das wir in Kooperation mit dem Beruflichen Ausbildungszentrum Werra-Meißner-Kreis anbieten. Die Praxistage an den Beruflichen Schulen, bei denen sie sich noch einmal in der Klassengemeinschaft über verschiedene Berufe informieren, sind den zweiwöchigen Blockpraktika in einem selbst gewählten Praktikumsberuf vorgeschaltet.“

„Mit den Schulen im Werra Meißner Kreis, vor allem mit den weiterführenden Schulen in und um Eschwege, verbindet uns eine langjährige Kooperation“, erklärt Thomas Mülverstedt, der an den Beruflichen Schulen unter anderem für die Bildungsgänge zur Berufsvorbereitung zuständig ist. „Etwa die Hälfte der Jugendlichen von den Eschweger Schulen kommt an die Beruflichen Schulen, sei es zu berufsvorbereitenden Bildungsgängen, sei es für die zweijährige Fachoberschule. Einer unserer Schwerpunkte ist die berufliche Orientierung in diversen Berufsfeldern durch Fachkräfte.“

Und so lernen die Brüder-Grimm-Schüler bei Küchenmeister Matthias Blackert im Fach Kochen, wie man professionell einen Apfelstrudel rollt, wie ein Baumkuchen entsteht und wie sie leckere Blaubeermuffins herstellen können. „Einfach köstlich!“, meint Schülerin Elisa. Der Praxistag sei nicht nur spannend gewesen; sie habe in der großen Lehrküche auch viel über Teamwork gelernt.

Eine andere Schülergruppe befindet sich zur selben Zeit in der Metallwerkstatt. Der Fachleiter Metalltechnik Sebastian Lichtblau lobt die Jugendlichen, die heute bei ihm sind: „Mit unserem 3-D-Programm ist es den Jugendlichen in nur drei Schulstunden gelungen, personalisierte Schlüsselanhänger zu konstruieren, die sie an unserem 3-D-Drucker ausdrucken und mit nach Hause nehmen können. Und wer noch nicht zufrieden mit seinem Ergebnis ist, kann mit dem html-basierten tinkercad zu Hause an dem Projekt weiterarbeiten.“ Schüler Malte macht das Konstruieren am PC viel Spaß: „Es ist toll, dass man gleich ein Ergebnis sehen kann.“ Und Mitschülerin Lilli möchte zusätzlich einen Schmuckbaum herstellen und tüftelt am PC an Farbgebung und Gestaltung.

Wer lieber mit Holz arbeitet, ist in der Holzwerkstatt bei Tischlermeister Ingo Schäfer genau richtig. Zum Einstieg soll die Gruppe Untersetzer aus Kiefernleisten herstellen. An den zwölf Hobelbänken finden die Schülerinnen und Schüler alles, was sie dafür brauchen. „Bei der Kreuzüberplattung kommt es“, erklärt Schäfer, „auf genaues Messen, Anzeichnen und Schneiden an. Dann passen die ausgearbeiteten Teile perfekt ineinander.“ 

Im Fach Wirtschaft und Verwaltung schließlich zeigt Büromanagerin Nicole Krähe den Jugendlichen, wie sie Texte nach Vorgaben richtig setzen, und macht sie fit in der Anwendung von Programmen zur Tabellenkalkulation. „Mir liegt es am Herzen“, so Nicole Krähe, „dass die Schülerinnen und Schüler Einblicke in Büro- und Verwaltungsaufgaben bekommen, damit sie den für sie richtigen Weg einschlagen können, ob sie nun direkt eine Ausbildung beginnen oder nach der Schule einen weiteren Schulabschluss anstreben. Und Klassenlehrerin Tina Rathgeber begrüßt, dass den Schülerinnen und Schülern in Jahrgang 8 so viele Möglichkeiten zur Berufsorientierung geboten werden. „Auf diese Weise bekommen sie Einblicke in verschiedene Berufsfelder, sammeln Praxiserfahrungen und lernen sich selbst besser kennen und einschätzen.“

Dr. Claudia Nitschke

Bericht der Werra Rundschau vom 3. Juni 2024



DigitaleSchule     MINT     Schule gegen Rassismus     Ganztagsschule     Umweltschule    Digitale Drehtür