Refugees Welcome?!

Dreitägiger Politikparcours für Brüder-Grimm-Schüler

Sajjad Zamani studiert die Grundrechte im Paragrafen-Dschungel

Bereits am Eingang zur Aula fühlen sich die Schüler der G8a wie „echte“ Flüchtlinge. „Ich finde das ungerecht“, beschwert sich Marvin, der bei der Registrierung ein gelbes Armbändchen erhält und draußen warten muss, während andere mit einem grünen schon hineingehen dürfen.

Unter dem Motto „Refugees Welcome?!“ hatten von Dienstag bis Donnerstag die kommunale Jugendförderung, die Kreisjugendförderung und die Schulsozialarbeit an den Gesamtschulen des Werra-Meißner-Kreises die achten Klassen der Brüder Grimm Schule zu einem ideenreichen und anregenden Politikparcours eingeladen. „Ziel des Parcours ist es, aufzuklären und zu informieren. Die Schüler sollen sich eine eigene Meinung bilden können“, so Benjamin Franke.

Nach zwei Filmen, die positive und negative Äußerungen zur Flüchtlingsproblematik kontrastieren, sind sich die Schüler einig: „Beide Seiten übertreiben total.“ Ein Memory hilft anschließend, Begriffe wie „Migrant“ und „Flüchtling“ zu unterscheiden. Bei der Auswahl von fünf Gegenständen, die man auf einer Flucht benötigt, verlässt sich die Gruppe um Sajjad auf ihren neuen Klassenkameraden und gemeinsam überlegen sie, wozu ein Handtuch noch so nützlich ist.
Nachdem die Schüler sich in der Installation „Paragrafen-Dschungel“ orientiert haben, dürfen sie in die „Menschenrechtebox“ schauen. „Hier haben wir Bilder von Menschenrechtsverletzungen aus aller Welt zusammengestellt“, erklärt Jugendpfleger Rigobert Gassmann. Ordentlich ins Grübeln gerät eine Gruppe dann bei dem Fragespiel „Was wäre, wenn …“: Würden sie wohl noch auf die Straße gehen, wenn sie mit Verfolgung rechnen müssten. Ewig könnten sie sich ja auch nicht zu Hause verstecken. Ob sie dann wohl auch eher weggehen würden?

An der Station von Susanne Sandrock lernen die Schüler, wie schwierig es ist, sich über ein gemeinsames Treffen zu verständigen, wenn man die Landessprache nicht beherrscht, und werden für verschiedene kulturelle „Fettnäpfchen“ sensibilisiert. Bei einigen Schülerinnen ist dann das Eis gebrochen und sie stellen ihrer neuen Klassenkameradin Batol mutig Fragen zu Kultur und Religion wie „Warum trägst du eigentlich ein Kopftuch?“
Besonders starkes Mitgefühl für die beiden Flüchtlingskinder der Klasse löst die von Lisa Kaufmann betreute Station zu Fluchtwegen und Fluchtursachen aus. Die Schulsozialarbeiterin hatte sich für die Durchführung des Parcours an der Brüder Grimm Schule besonders eingesetzt. „Es war eine enorme Herausforderung für uns, einen Parcours zu diesem Thema zu entwickeln und zu realisieren", erläutert Lisa Kaufmann. „Die ersten Rückmeldungen von Schülern hier und an der Rhenanus-Schule in Bad Sooden-Allendorf zeigen uns aber, dass sich unser Einsatz lohnt.“
Zum Schluss des Parcours verdeutlicht ein Kurzfilm, dass von überall aus der Welt Menschen zu uns flüchten, um bei uns Frieden und Sicherheit zu finden. Nach drei Schulstunden, die wie im Fluge vergangen sind, zieht Cecile das Fazit: „Wir haben heute viele Infos bekommen und viele verschiedene Meinungen kennengelernt.“ Und eine Mitschülerin ergänzt: „Wir können uns jetzt in Batol und Sajjad viel besser hineinversetzen, weil wir bei den Spielen gelernt haben, wie man sich als Flüchtling fühlt.“


Dr. Claudia Nitschke

 

Bilder zum Politikparcours